Über Fotsch

Die Fotscher Hütte

Ambitioniert, so würde man heute wohl sagen, waren im Jahre 1901 die Gründer des AAVI als sie die Zwecke des Vereines über ein weites Feld an Zielen spannten. Darunter fand sich nämlich nicht nur die „Pflege von Alpinismus, Wissenschaft und Kultur“, sondern auch die zu dieser Zeit als sehr schwierig angesehene Aufgabe Katholizismus und bergsteigerische Tätigkeit inklusive der damit einhergehenden „Geselligkeit“ in Einklang zu bringen. Für die damals streng klerikalen Kreise war demnach sowohl das Bergsteigen an sich, als auch die damit einhergehende feucht-fröhliche Geselligkeit allzu ausschweifend und es wurde, wohlbemerkt zurecht, wie uns der weitere Verlauf der Geschichte des Vereines lehrt, befürchtet, dass vor allem die junge Studentenschaft durch einen Alpinverein allzu nahe an das gefährliche Feuer der (Woll)Lust herangeführt werde.

Ambitioniert, andererseits ganz profan gesagt eher „unlustig“ waren auf jeden Fall vor über hundert Jahren auch die „Zustiege“ zu den alpinen Unternehmungen und Touren, denn deren Ausgangspunkte lagen meist an den von den Bergen weit abgelegenen Bahnhöfen der großen Täler und erforderten nicht selten 8-stündige Fußmärsche bis erst einmal jene Orte erreicht waren, an denen heute ganz selbstverständlich und zu jeder Tageszeit mit dem Auto geparkt wird, um vielleicht noch zu einer schnellen Nachmittagstour aufzubrechen. Ehrlich – wer von uns würde sich ad hoc zu diesem auserwählten Kreis an Alpinisten zählen, wenn der Ausgangspunkt für eine Besteigung des Habichts Steinach am Brenner wäre?

Es erscheint aus der Summe dieser Gründe verständlich, dass die Gründerväter des AAVI schnell den Wunsch hegten, ein eigenes „Bergheim“, also einen Stützpunkt für gemeinsame Unternehmungen und geselliges Beisammensein in einer gewissen Abgeschiedenheit, zu besitzen.

Im zumindest nicht allzu weit entfernten Fotschertal bei Sellrain wurde der Verein schließlich fündig und konnte ab dem Jahre 1912 eine Jagdhütte für seine Zwecke pachten. Das Ziel  eine eigene Hütte zu errichten musste aber aufgrund der Kriegsereignisse und der prekären Vereinsfinanzen vorerst aufgegeben werden.

Bald nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden diese Pläne aber weiter verfolgt und bereits im Jahr 1919 konnte in der Nähe der bisher bloß gemieteten „Eustachiushütte“ ein rund 600 Quadratmeter großes Grundstück gepachtet werden auf dem sogleich unter Nutzung des darauf stehenden Holzes mit dem Bau einer eigenen Hütte begonnen wurde.

Unter großem Einsatz der Vereinsmitglieder, die nicht nur das notwendige Material zu großen Teilen zu Fuß ins Tal brachten, sondern auch in finanzieller Hinsicht großzügige Beiträge leisteten, konnte die „Fotscherhütte“ bereits im Vereinsjahr 1920/21 eingeweiht werden.

Und in ihrer Substanz unverändert steht sie auch heute noch, hundert Jahre später, dort an ihrem Platz. Ein wunderschönes Blockhaus, wettergegerbt, gemütlich und für mittlerweile ganze Generationen an Vereinsmitgliedern ein nicht wegzudenkender Bestandteil des „AAVI“.

Von Beginn an erfreute sich die Hütte ganzjährig großer Beliebtheit, vor allem aber im Winter, da das Schibergsteigen schon immer eine Spielart des Alpinismus war, die im Verein besonders großen Anklang fand.

Als die rege Nutzung und der Zahn der Zeit schon deutliche Spuren an der Inneneinrichtung hinterlassen hatten, wurde im Jahr 1977 eine grundlegende Sanierung in Angriff genommen. Die Raumaufteilung wurde etwas verändert und die Hütte besser isoliert und hell getäfelt. Dennoch legte man Wert darauf den ursprünglichen Charakter zu erhalten und keine allzu große Modernisierung vorzunehmen.

Gerade diesem sehr geglückte Umgang mit der alten Substanz ist es zu verdanken, dass die Fotscherhütte, in den Karten wird sie als „Akademikerhütte“ geführt, ihren eigenen Charme bis heute erhalten hat.

Das Wasser muss noch immer vom Brunnen in die Hütte getragen werden und der bewusste Verzicht auf einen Stromanschluss lässt die Besucher erleben, wie sich ein Leben ohne Kühlschrank, Elektroherd und digitaler Vernetzung anfühlt. Lediglich die Beleuchtung wurde im Jahr 2012 durch den Einbau einer Photovoltaikanlage ins „elektronische“ Zeitalter überführt.

In klassischen Matratzenlagern finden bei Vollbelegung knapp über 20 Personen Platz und im Erdgeschoß stehen zwei getrennte Holztische für das gemütliche Beisammensitzen bereit. Die Hütte wird nur von den Mitgliedern des Vereines nach Voranmeldung beim Hüttenwart genutzt. Derzeit gilt pro Nächtigung ein Mindestkostenbeitrag von € 5,00 pro Erwachsenem.  Seit vielen Jahren ist es gelebte Praxis, dass den Erstanmeldern ein gewisses Vorrecht zur exklusiven Nutzung eingeräumt wird, wobei gemeinschaftliche Zusammenkünfte möglichst Vieler aus dem Vereine dem ursprünglichen Zweck der Hütte wohl am meisten huldigen würden.

Trotz der vielfältigen Reize ist die Nutzung der Hütte in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen und von den in den zwanziger Jahren verbuchten rund 500 jährlichen Übernachtungen, von denen 300 in die Wintermonate fielen, kann heute keine Rede mehr sein. Dabei ermöglichen gerade die Nähe zu Innsbruck und die mittlerweile gute Erreichbarkeit der Hütte dank des gut ausgebauten Fahrweges (zumindest im Sommer!) auch kurzfristig schöne Tage im eher ruhigen Tal zu verbringen.

Und nicht zuletzt gibt es zumindest zwei wichtige Fixpunkte im Jahreskreis des Vereinslebens deren Schauplatz „die Fotsch“ ist. Nämlich das beliebte Sommerfest bei dem all jene Erwachsenen und Kinder fröhlich feiern, die im vergangenen Herbst das wilde Treiben der „Holzaktion“ überlebt haben. Bei diesem mittlerweile alt gewordenen, aber jung gebliebenen Brauch, bei dem alljährlich allerlei „Wüstlinge“ aus den unergründlichen Tiefen der braven Akademikerinnen- und Akademikerseelen entlassen werden, wird derart ungehobelt auf das ohnehin weiche Fichtenholz losgegangen, dass die ausschweifenden Um- und Durchschläge mit den verschiedensten Werkzeugen bereits so manch deutliche Spur in die zarten Körper unserer Alpiniden gezeichnet haben.

Dank der fürsorglichen Pflege durch den AAVI steht die Hütte am Beginn ihres zweiten „Hunderters“ in altem Glanze da und möge den kommenden Generationen weiterhin viele schöne Feiern und gelungene Tage im Gebirge bringen.

 

Der Hüttenwart

Und hier geht es zum Kalender für Fotsch: