Skitouren Sierra Nevada

 

 

Skitouren Sierra Nevada

Autor: Jakob Werkgarner 

Als ich im Dezember 2025 auf die Schneehöhenkarte für Europa schaute, war das eher ein Trauerspiel. Nur eine überraschende Region punktete mit brauchbaren Niederschlägen: die Sierra Nevada in Andalusien, eine zumindest für mich eher unbekannte Skitourenregion. Da eine Studienkollegin gerade ohnehin ihr Erasmus in Granada machte, wurde im Anschluss an die Skitourenwochen in Avers ein Flug in den Süden gebucht.

 Malaga

Angekommen in Malaga wurden die Pläne erst einmal durchkreuzt, da leider zwei Faktoren nicht passten. Erstens gab es im Südwesten der Iberischen Halbinsel nicht nur viel Schnee, sondern in der Woche bevor ich runterfuhr auch starke Regenschauer und Überflutungen. Es regnete hoch hinauf, und der Regen setzten nicht nur der Schneedecke, sondern auch, was viel schlimmer ist, den Straßen, Häusern und der Infrastruktur zu.  Zweitens wütete ein ziemlicher Föhnsturm (ja, gibt's auch in der Sierra Nevada), der sogar LKWs auf der Autobahn umwarf.

 Affe

Deshalb beschlossen wir, uns zuerst den Fels von Gibraltar anzuschauen und den dort lebenden Affen einen Besuch abzustatten. Nach einem Tag Touri-Leben im historisch durchaus interessanten, sonst aber unspektakulären Gibraltar und einer durchwachsenen Portion Fish 'n' Chips machten wir uns auf Richtung der schneebedeckten Berge der Sierra Nevada. Die zuvor über die Straße von Gibraltar zu erahnenden Ausläufer des Atlas ließen es schon in den Füßen kribbeln.

Mit dem Auto ging es nach Capileira am Fuße des Mulhacén (mit doch beachtlichen 3481 m), der als Ziel auserkoren wurde. Die durch umgefallene Bäume blockierte Straße machte aus der Tagestour ein 2-Tage-Abenteuer. Der Zustieg zum Refugio de Poqueira (2400 m) gestaltete sich durch den Wind und die trotzdem bescheidene Schneelage doch fordernder als gedacht. Dafür wurden wir oben mit viel Schnee belohnt. So viel, dass man nicht wirklich sagen konnte, wo eventuell eine Tür sein könnte und welche der Eingang zum Biwak ist. Die dritte ausgegrabene Tür ließ sich dann öffnen und offenbarte einen semi-gemütlichen, dafür umso größeren Winterraum/Eislaufplatz. Der Boden war von 3 cm Spiegeleis bedeckt; als Ursprung des Wassers konnten wir die Steckdosen ausmachen ...

Nach einer trotzdem sehr gemütlichen Nacht machten wir uns zu Sonnenaufgang auf dem Schmelzharschdeckel auf den Weg Richtung Gipfel. Je höher man kam, desto mehr wurde aus dem Harschdeckel Eis, bis man irgendwann nurmehr von Eisschuppen umgeben war, die den Fellen ziemlich zusetzten. Spätestens dort wurde mir klar, warum die zwei Spanier, die um 23:00 Uhr ins Biwak kamen, nicht mit Ski, sondern zu Fuß mit Steigeisen unterwegs waren.

 

Die Schwierigkeit des Aufstiegs ist am ehesten mit dem Patscherkofel zu vergleichen. Nichtsdestotrotz macht der Ausblick aufs Meer und der Fernblick bis nach Marokko die Tour trotzdem sehr lohnend.

Die Abfahrt im feinsten Firn und das Gefühl der spanischen Sonne und dem Mittelmeer entgegenzufahren, bleibt mir als Highlight im Gedächtnis.

 

Durch Föhrenwälder und Wacholdersträucher bahnt sich der Weg zum Auto. Föhnbedingt (Böhen über 140km/h) wurde am nächsten Tag wieder auf Touri umgestellt, und Granada und wir schauten und historisch sehr wertvolle die Alhambra in Granada an. Die muslimische Festungsanlage mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund und dem Ausblick auf den bestiegenen Gipfel ist eine unglaublich schöne Erinnerung und eine etwas andere Skitouren-Erinnerung, in der auch kulturelle Eindrücke gesammelt werden konnten.

Sierra mit Alhambra

 

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