August 2001: Bianco-Grat und Tour Ronde Nordwand


Endlich, mein letzter Uni-Tag ist vorbei. Jetzt kann auch ich die Ferien geniessen, wovon mir die Innsbrucker Studenten schon seit einem Monat erz├Ąhlen (in M├╝nchen beginnen die Ferien erst Anfang August). Also hinein ins Auto und ab nach Innsbruck. Aber schon auf der Autobahn, w├Ąhrend ich gerade am Irschenberg im Stau stehe l├Ąutet das Handy: "Servus Wolfi, bist du schon am Weg, wir wollen endlich in die Westalpen !" Damit war das Thema Erholung f├╝hrs erste erledigt. Kaum daheim angekommen werde ich auch schon ├╝ber meine Ferienplanung f├╝r die n├Ąchsten Wochen in Kenntnis gesetzt: sobald der Wetterbericht stabiles Wetter verspricht fahren wir gen Westen. Als erstes steht der Bianco-Grat am Programm, danach geht es weiter nach Chamonix um noch einige Touren im Mont-Blanc Gebiet zu machen. Das Wetter hat dann aber doch Erbarmen mit mir und gesteht mir eine Woche zu, soda├č ich die wichtigsten Erledigungen in Innsbruck machen kann und sogar noch die Stubaier Wildspitze besteigen kann um mich ein bi├čchen zu akklimatisieren.
Ende der ersten Augustwoche halten es die anderen schlie├člich nicht mehr aus und wir (Andreas, Helmut, Reinhard und ich) starten, allerdings etwas versp├Ątet, weil ich mit dem Packen doch etwas l├Ąnger gebraucht habe und Helmut noch seinen Rausch ausschlafen mu├čte. Um ca. 18 Uhr stehen wir schlie├člich am Kutschenstand in Pontresina, nur um zu erfragen, da├č die letzte Kutsche um 16 Uhr abf├Ąhrt. So machen wir uns zu Fu├č auf den nun 1,5 Stunden l├Ąngeren Weg auf die Tschierva-H├╝tte die wir gegen 20.30 erreichen. Das Abendessen ist nat├╝rlich schon vorbei, aber die sehr netten Wirte machen uns doch noch eine gute Suppe, die uns mit viel Brot auch halbwegs s├Ąttigt. Bald nach dem Essen legen wir uns schlafen, weil wir ja fr├╝h wieder aufstehen m├╝ssen.

Bianco-Grat

Um 4 Uhr wird wieder geweckt und die gesamte H├╝tte fr├╝hst├╝ckt geschlossen. Anschlie├čend geht es beim allgemeinen Aufbruch auf der kleinen Terasse ziemlich chaotisch zu. Als eine der letzten Gruppen brechen wir auf und gehen einfach den Stirnlampen die ein St├╝ck vor uns zu sehen sind nach. Anfangs entspricht unser Weg der Beschreibung im F├╝hrer, als wir dann aber immer weiter und weiter in die Flanke des Piz Morteratsch kommen werden wir doch nerv├Âs. Im F├╝hrer steht da etwas ganz anderes. Aber wir sind schon so weit oben, da├č niemand mehr Lust zum umkehren versp├╝rt. So gehen wir einfach diesen Weg weiter. Gl├╝cklicherweise ist er genau der Richtige, nur wurde er erst nach dem Erscheinen des F├╝hrers gebaut. Bald erreichen wir so ├╝ber ein Firnfeld und den ersten Felsaufschwung zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen die Gratschneide. Nach einer Ecke sehen wir endlich die ber├╝hmte Firnschneide, den "eigentlichen" Bianco-Grat. Langsam macht sich bei mir die H├Âhe und mein relativ schlechter Trainingszustand bemerkbar und so falle ich trotz aller Anstrengungen weit zur├╝ck. Die morgendliche Bew├Âlkung hat sich nun aber aufgel├Âst und das beeindruckende Panorama erleichtert mir meinen Kampf sehr.
Am Anfang des Felsgrates zum Piz Bernina warten die anderen schlie├člich auf mich und wir seilen an, da doch 4'rer Stellen zu bew├Ąltigen sind. Der kurze Felsgrat hat es in sich und so vergehen noch knapp 2 Stunden bis wir die Mittagssonne am Gipfel der Bernina geniessen k├Ânnen. Wir brechen aber bald wieder auf, weil wir heute noch weiterfahren wollen und der Talabstieg lang ist. Der Abstieg zum Rifugo Marco e Rosa ist problemlos. Dort erwartet uns allerdings ein kleiner Schock, weil ich neuen Tee kaufe und f├╝hr 3 Liter 20 Franken bezahlen muss. Weiter geht es durch die Eisbr├╝che des Morteratsch-Gletschers hinunter. Die fordern uns nocheinmal so richtig und nach dem f├╝nften Gegenanstieg um wieder eine riesige Spalte zu umgehen, mag eigentlich niemand mehr so richtig. Schlie├člich erreichen wir am schon sp├Ąteren Nachmittag die Gletscherzunge. Jetzt wird uns die Bedeutung von langer Abstieg so richtig bewu├čt, denn bis zur Stra├če sind es nocheinmal gute 2 Stunden. Da ich mittlerweile schon ziemlich langsam unterwegs bin, laufen die anderen vorraus um das Auto zu holen. Irgendwann ist aber jeder Abstieg zu Ende und auch ich komme in Morteratsch an. Bald darauf kommt auch schon das Auto und wir freuen uns alle auf ein gutes Essen.
Aber in Pontresina bzw. St. Moritz zu einem reichhaltigen Essen zu kommen, das man sich als Student auch leisten kann, stellt sich als echtes Problem heraus. So beschlie├čen wir nach Davos zu fahren, weil es dort einen McDonalds gibt. Den erreichen wir schlie├člich um 22.45 (er schlie├čt um 23 Uhr) und k├Ânnen uns so richtig satt essen. An eine Weiterfahrt ist jetzt nat├╝rlich nicht mehr zu denken, deshalb parken wir etwas au├čerhalb von Davos am Stra├čenrand um zu schlafen. Am n├Ąchsten Tag werden wir um ca. 9.30 von zwei netten Polizisten geweckt, die uns darauf aufmerksam machen, da├č wild Campen verboten ist, uns aber schlie├člich nur zur Weiterfahrt auffordern. So schauen wir auf unserer Europakarte nach wie wir am schnellsten nach Chamonix kommen und entschlie├čen uns f├╝hr die Route quer durch die Schweiz. Jetzt r├Ącht sich der gro├če Ma├čstab der Karte, denn unsere Fahrt f├╝hrt uns ├╝ber drei P├Ąsse und so kommen wir erst am fr├╝hen Abend in Chamonix an. Dort quartieren wir uns nach kurzer Suche am Campingplatz "Le Dru" ein. Am n├Ąchsten Morgen kommt dann die Ern├╝chterung: es regnet in Str├Âmen. Wir verbringen den ganzen Tag im Bus, w├Ąhrend unsere Moral auf einen Tiefpunkt sinkt, soda├č schon Gedanken ├╝bers heimfahren laut werden. Der Wetterbericht verspricht aber eine Wetterbesserung und so bleiben wir doch noch und beschlie├čen die Tour Ronde zu besteigen. Es wird auch wirklich besser und wir bew├Ąltigen den "anstrengenden" Aufstieg auf die Turiner-H├╝tte (d.h. 50 Hm Abstieg von der Seilbahnstation). Die H├╝tte ist nicht sehr gem├╝tlich und unsere schweizer Lagernachbarn ("Das Fenster bleibt aber offen, sonst k├Ânnen wir nicht schlafen.") sind eher nervig, deshalb f├Ąllt uns der Aufbruch um 5 Uhr nicht ganz so schwer.

Tour Ronde Nordwand

Bald haben wir die Nordwand der Tour Ronde vor uns und sie ist in natura doch viel respekteinfl├Â├čender als am Foto im F├╝hrer. Wir lassen die Rucks├Ącke am Einstieg zur├╝ck und gehen den ersten Teil bis zum Flaschenhals frei. Es geht relativ problemlos voran, allerdings erschweren uns 20-30 cm Neuschnee die zwei Tage zuvor gefallen sind den Aufstieg. Im Flaschenhals, des mit rund 60┬░ steilsten Abschnitts, seilen wir an, bew├Ąltigen aber auch diese Stelle gut. Den oberen Teil gehen wir wieder frei. Mittlerweile hat aber der Wind ziemlich aufgefrischt und treibt beachtliche Mengen von Schnee ├╝ber die Wand, soda├č man teilweise kaum mehr sieht wo man hinsteigt. Au├čerdem ist es dadurch auf gut-tirolerisch "schei├čkalt" geworden. So sind wir froh, da├č das Ende der Wand immer n├Ąher r├╝ckt. Auf den letzten Metern wird das Eis allerdings so spr├Âde und schlecht, da├č wir wieder anseilen und dadurch einige Zeit liegenlassen. Bei der K├Ąlte ist das ziemlich frustrierend. Schlie├člich kommen wir aber oben an und queren am Gipfelaufbau vorbei auf die S├╝dseite, wo uns die Sonne bei Windstille empf├Ąngt. Nach einer kurzen Rast zum Aufw├Ąrmen, gehen wir gem├╝tlich das kurze St├╝ck auf den Gipfel und genie├čen das tolle Panorama das sich uns bietet.
Der Abstieg geht z├╝gig vonstatten und so stehen wir bald im Gletscherbecken. Die 500 Hm Gegenanstieg zur Seilbahnstation auf der Aguille di Midi ziehen sich dagegen sehr und sind fast anstrengender als die eigentliche Tour. Als wir endlich die Seilbahn erreicht haben, sind wir uns einig, da├č es f├╝r diesesmal reicht und wir heimfahren. Aber wir sind uns auch einig, da├č wir wieder herkommen m├╝ssen, was wir eine Woche sp├Ąter dann auch getan haben.


Wolfgang Klier 



Am Weg zur H├╝tte


1. Eisfeld


Der Firngrat


Ein Blick zur├╝ck


Ende des Firngrates


Der Gratturm


Der Gipfelaufschwung


Die Gipfelrast


Im Abstieg


Die Tour Ronde Nordwand


Sonnenaufgang


In der Wand


Im Flaschenhals


Noch ein Blick zur├╝ck


Kurz vorm Gipfel


Am Gipfel


Wieder am Wandfu├č


Im Gletscherbecken


Blick zur Aguille di Midi


Der Gegenanstieg

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